Wenn Steuergeräte plötzlich nicht mehr miteinander reden
Das Kombiinstrument meldet mehrere Ausfälle, der Tester zeigt Kommunikationsfehler und ein Steuergerät ist nicht erreichbar. Klingt nach CAN-Bus? Möglich. Aber die Meldung „Keine Kommunikation“ beweist noch keinen Defekt der Busleitungen – und erst recht kein defektes Steuergerät.
Die kurze Antwort: Um einen CAN-Bus-Fehler zu finden, musst du zuerst eingrenzen, wer mit wem nicht kommuniziert. Danach prüfst du Spannungsversorgung und Masse der betroffenen Steuergeräte sowie die Datenleitungen anhand des fahrzeugspezifischen Schaltplans.
Wo beginnt die Fehlersuche?
Mit einem vollständigen Fahrzeugscan. Welche Steuergeräte sind erreichbar? In welchen Steuergeräten ist die Kommunikation gestört? Treten die Einträge aktuell auf oder sind sie nur gespeichert? Entscheidend ist das Muster: Fehlt ein einzelner Teilnehmer oder sind mehrere Steuergeräte auf demselben Buszweig betroffen?
Der Netzplan hilft bei der Einordnung. Viele Fahrzeuge haben mehrere Bussysteme, die über ein Gateway verbunden sind. Ohne Kenntnis der Vernetzung führt eine Kommunikationsmeldung schnell zur falschen Messstelle.
Keine Kommunikation – ist das Steuergerät kaputt?
Das lässt sich aus einem Fehlereintrag allein nicht ableiten. Ein Steuergerät ohne ausreichende Versorgung oder Masse kann ebenso ausfallen wie ein Steuergerät mit gestörter Datenleitung. Deshalb gehört die Prüfung von Sicherungen, Spannungsversorgung und Masse an den Anfang der gezielten Diagnose. Erst danach lässt sich beurteilen, ob und wo am Bus gemessen werden muss. HELLA empfiehlt bei einer entsprechenden Kommunikationsstörung ebenfalls, Versorgung und CAN-Signalleitung am betroffenen Steuergerät zu prüfen.




Was verrät die Messung am CAN-Bus?
Mit dem Oszilloskop lassen sich die Signale auf CAN-High und CAN-Low während der Kommunikation betrachten. Das hilft beispielsweise bei der Suche nach Unterbrechungen, Kurzschlüssen oder auffälligen Signalformen. Wo gemessen wird und welches Signal zu erwarten ist, hängt vom konkreten Bussystem und der Fahrzeugarchitektur ab.
Bei einem klassischen High-Speed-CAN mit zwei 120-Ohm-Abschlusswiderständen sind zwischen CAN-High und CAN-Low häufig ungefähr 60 Ohm messbar, wenn das Netzwerk spannungsfrei ist. Das ist jedoch kein Universalwert für jeden Fahrzeugbus und jede Messstelle. Die Topologie, mögliche Abtrennungen durch das Gateway und die Herstellervorgaben müssen bekannt sein, bevor du den Wert interpretierst. Eine Widerstandsmessung am unter Spannung stehenden Bus ist dafür ungeeignet.
Für die Praxis heißt das
Erst das betroffene Netzwerk eingrenzen, dann an geeigneter Stelle messen. Ein einzelner Widerstandswert oder ein Fehlercode ersetzt keine Diagnose der Versorgung, Leitungen und Signale.
Wenn der Fehler nur manchmal auftritt
Gerade bei sporadischen Ausfällen ist der Moment der Störung entscheidend. Tritt sie nach Regen, bei Vibrationen oder nach Arbeiten an einem Kabelbaum auf? Solche Beobachtungen helfen, Steckverbindungen und Leitungsabschnitte gezielt zu prüfen. Eine Signalaufnahme während des Fehlers kann mehr zeigen als eine Messung am wieder störungsfrei laufenden Fahrzeug.