Batterie ständig leer? Ruhestrom richtig messen
Das Auto stand ein paar Tage, beim Startversuch macht die Batterie schlapp. Klar, dass sie jetzt als Erstes unter Verdacht gerät. Doch eine schwache Batterie kann auch die Folge eines anderen Problems sein. Irgendwo im Fahrzeug fließt im abgestellten Zustand mehr Strom als vorgesehen.
Dann ist eine Ruhestrommessung gefragt. Bei modernen Fahrzeugen mit zahlreichen Steuergeräten und vernetzten Systemen kommt es dabei auf die richtige Vorgehensweise an.
Wie viel Ruhestrom ist noch normal?
Auch wenn das Fahrzeug abgestellt und verriegelt ist, wird weiterhin Strom benötigt. Steuergeräte wechseln in den Ruhemodus, andere Systeme müssen bestimmte Funktionen aufrechterhalten, zum Beispiel Alarmanlage, Telematik oder Zugangssysteme.
Einen allgemeingültigen Grenzwert für den Ruhestrom gibt es deshalb nicht. Fahrzeug, Ausstattung und Betriebszustand spielen eine Rolle. Für die Bewertung eines Messwerts sind die Herstellervorgaben für das jeweilige Fahrzeug maßgeblich.
Nicht zu früh messen
Zündung aus bedeutet noch lange nicht, dass im Fahrzeug Ruhe herrscht. Viele Steuergeräte bleiben nach dem Abstellen zunächst aktiv. Wie lange die Nachlauf- und Einschlafprozesse dauern, ist fahrzeugabhängig.
Vor der Ruhestrommessung muss das Fahrzeug deshalb entsprechend vorbereitet werden. Türen, Motorhaube und Heckklappe sind so zu berücksichtigen, dass die relevanten Systeme den vorgesehenen Fahrzeugzustand erkennen. Bei Fahrzeugen mit schlüssellosen Zugangssystemen sollte auch der Funkschlüssel nicht unnötig in Fahrzeugnähe liegen.
Erst wenn die relevanten Systeme ihren Ruhezustand erreicht haben, ist der gemessene Ruhestrom aussagekräftig.
Ruhestrom richtig messen
Eine ausreichend empfindliche Gleichstrom-Messzange ermöglicht die Messung an der Batterieleitung, ohne den Stromkreis zu unterbrechen. Die Spannungsversorgung des Fahrzeugs bleibt dabei bestehen. Für kleine Ströme muss die Messzange allerdings entsprechend geeignet sein. Auch eine korrekte Nullstellung ist wichtig.
Alternativ lässt sich der Strom mit einem geeigneten Multimeter in Reihe messen. Hier müssen Messbereich und zulässige Strombelastbarkeit unbedingt beachtet werden. Wird der Stromkreis für den Anschluss unterbrochen, kann das außerdem Auswirkungen auf den Zustand der Steuergeräte haben.
Und nicht jeder Fehler lässt sich bei einer kurzen Messung erwischen. Wird die Batterie nur sporadisch entladen, kann eine Langzeitmessung notwendig sein.


Welcher Stromkreis ist verantwortlich?
Ist die Stromaufnahme tatsächlich zu hoch, muss der Verursacher eingegrenzt werden. Eine bekannte Methode ist das schrittweise Ziehen der Sicherungen. Bei modernen Fahrzeugen ist dabei jedoch Vorsicht angesagt. Das Entfernen und Wiedereinsetzen einer Sicherung kann Steuergeräte oder Bussysteme wieder aktivieren und damit die Messung beeinflussen.
Eine Alternative ist die Spannungsabfallmessung über den eingesetzten Sicherungen. Mit einem präzisen Multimeter wird die kleine Spannung über den Messpunkten der jeweiligen Sicherung gemessen. Anhand geeigneter Referenzwerte für Sicherungstyp und Nennstrom lässt sich daraus auf den Stromfluss im abgesicherten Stromkreis schließen.
Damit kann die Werkstatt einen auffälligen Stromkreis eingrenzen, ohne eine Sicherung nach der anderen herauszunehmen.
Stromkreis gefunden. Fehler gefunden?
Noch nicht. Jetzt geht die eigentliche Diagnose los.
Als Verursacher kommen beispielsweise nachgerüstete Tracker, Dashcams, USB-Adapter oder anderes Zubehör infrage. Auch Relais, fehlerhafte Spannungsversorgungen oder Steuergeräte, die nicht wie vorgesehen in den Ruhemodus wechseln, können für eine erhöhte Stromaufnahme sorgen.
Bei einer immer wieder entladenen Batterie sollte deshalb nicht vorschnell ein neues Teil eingebaut werden. Batteriezustand und Ladesystem gehören ebenso zur Prüfung wie bei entsprechendem Fehlerbild der Ruhestrom.
Denn eine leere Batterie ist zunächst nur das Symptom. Gute Diagnose findet die Ursache.