Bei der Kalibrierung von Fahrerassistenzsystemen (ADAS) – insbesondere von Kameras (z. B. Frontkamera für Spurhalteassistent) und Radarsensoren (für ACC, Notbremsassistent) – spielen Fahrzeugbeladung, Reifendruck und Fahrwerkshöhe eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen nämlich die Fahrzeuglage und den Sensorwinkel relativ zur Straße. Schon kleine Änderungen können die Sensorerkennung verfälschen.
Hier die Zusammenhänge im Detail:
Fahrzeugbeladung
Die Beladung verändert die Nick- und Höhenlage des Fahrzeugs.
Einfluss:
- Mehr Gewicht im Kofferraum → Heck senkt sich → Fahrzeugfront hebt sich leicht.
- Dadurch ändert sich der vertikale Blickwinkel der Kamera oder des Radars.
- Die Sensoren „sehen“ die Straße in einem anderen Winkel.
Folgen:
- Spurmarkierungen können falsch interpretiert werden.
- Radar misst falsche Distanzen oder Höhenpositionen von Objekten.
- Fehlfunktionen bei:
- Abstandsregeltempomat
- Notbremsassistent
- Spurhalteassistent
Praxis bei der Kalibrierung:
- Fahrzeug muss meist unbeladen bzw. mit definiertem Kalibriergewicht stehen.
- Hersteller geben oft eine Referenzbeladung vor.
Reifendruck
Der Reifendruck beeinflusst die Fahrzeughöhe und den Radstand minimal.
Einfluss:
- Zu niedriger Reifendruck → Fahrzeug sinkt etwas ab.
- Unterschiedlicher Druck links/rechts → Schiefstand (Rollwinkel).
Folgen:
- Kamera blickt leicht seitlich oder tiefer/höher.
- Radar kann Zielobjekte versetzt erfassen.
Praxis:
- Vor Kalibrierung muss der Reifendruck auf Herstellersollwert gebracht werden.
- Ungleicher Druck kann Kalibrierfehler von wenigen Zehntelgrad verursachen, die bei ADAS relevant sind.
Fahrwerkshöhe / Fahrwerkszustand
Die Fahrwerkshöhe (z. B. durch Federn, Luftfahrwerk oder Verschleiß) beeinflusst direkt die Montagegeometrie der Sensoren.
Einflussfaktoren:
- Luftfahrwerk in falscher Höhe
- Verschlissene Federn oder Stoßdämpfer
- Tieferlegung / Höherlegung
- falsche Achsvermessung
Folgen:
- Sensorwinkel verändert sich dauerhaft.
- Radar „zielt“ zu hoch oder zu niedrig.
- Kamera erkennt Fahrbahngeometrie falsch.
Praxis:
- Fahrzeuge mit Luftfahrwerk müssen in Service- oder Normalhöhe stehen.
- Fahrwerk muss i.O. und korrekt eingestellt sein.
- Häufig ist eine Achsvermessung vor der Kalibrierung vorgeschrieben.
Warum das so kritisch ist
ADAS-Sensoren arbeiten mit sehr kleinen Winkel-Toleranzen.
Schon kleine Änderungen durch:
- Beladung
- Reifendruck
- Fahrzeughöhe
können diese Toleranzen überschreiten.


