Batterie laut Tester in Ordnung – Start trotzdem unzuverlässig?
Startprobleme trotz „Batterie i. O.“ kennt wahrscheinlich jede Werkstatt. Gerade bei Start-Stopp und 48V-Systemen reicht eine einfache Batterietest oft nicht mehr aus. Das Problem liegt meist jedoch nicht am Batterietester, sondern viel mehr wann und unter welchen Bedingungen gemessen wird. Ebenso gibt es viele möglicher Fehler die fahrzeugseitig auftreten können.
Batterietest: Batterie GUT, Fahrzeug startet trotzdem NICHT
Batterietester messen Ruhespannung und Innenwiderstand. Aus diesen Werten wird einen Kaltstartstrom errechnet. Das passt theoretisch und sagt etwas über den aktuellen Zustand der Batterie aus. Was viele der Test nicht abbilden: Wie sich die Batterie beim echten Start im Fahrzeug verhält.
Kurz gesagt: Batterie messbar ok heißt nicht automatisch startklar.
Typischer Ablauf in der Praxis
- Fahrzeug startet schlecht oder gar nicht
- wird überbrückt
- fährt in die Werkstatt
- Batterie ist stabilisiert
- Test sagt: Batterie gut/laden
Das Messergebnis ist korrekt. Das eigentliche Problem – zum Beispiel erhöhter Ruhestrom – ist noch vorhanden. Am nächsten Morgen steht das Fahrzeug wieder. Der Tester lügt nicht. Er zeigt jedoch immer nur den aktuellen ist Zustand.
Energiemanagement entscheidet
Moderne Fahrzeuge starten nicht einfach, nur weil Spannung da ist. Das Energiemanagement prüft unter anderem:
- Umgebungstemperatur
- Ladezustand
- Lade- und Entladeleistung
- Spannung bei ein und ausgeschaltetem Fahrzeug
- Stand- und Fahrprofile
Passt das Gesamtbild nicht oder wurde es durch unsachgemäße Wartung bzw. Reparatur gestört, so wird der Start verzögert oder eingeschränkt – oft ohne Fehlercode. Der Speicher bleibt leer, das Auto bleibt stehen.
Typische Ursachen aus dem Alltag
Spannungseinbruch: Ist beim Starten normal, jedoch kommt es darauf an, wie hoch er ausfällt. Wird eine bestimmte Spannung unterschritten, funktionieren viele Steuergeräte nicht mehr. Mit steigendem Alter nimmt der Innenwiderstand einer Batterie zu, was zu Einbußen in der Stromabgabe und dem Einklicken der Batteriespannung führt. Kommt jetzt noch Kälte hinzu, sinkt die Leistung der Batterie weiter ab.
Masse- und Übergangswiderstände: Die Spannung ist da, kommt aber nicht sauber an.
Ruhestromprobleme: Steuergerät schläft nicht ein, Batterie ist morgens leer. Nach Überbrücken alles unauffällig – bis zum nächsten Morgen.
Nicht oder falsch angelernt: Batterie technisch ok, Management rechnet falsch.
Besonderheit 48V-Bordnetz
Auch bei 48V-Mildhybriden startet der Motor meist klassisch über 12 V. Trotzdem hängt die Startzuverlässigkeit stark am Zusammenspiel von 12V-System und 48V-System.
Wenn der DC/DC-Wandler nicht sauber nachliefert oder vom System begrenzt wird, bricht die 12V-Versorgung unter Last ein oder der Start wird nicht freigegeben. Die Batterie wirkt im Test unauffällig, das Fahrzeug startet trotzdem schlecht.
Je nach Fahrzeug übernimmt der Riemenstartergenerator Warmstarts oder Start-Stopp-Restarts.
Kurz gesagt: 12V und 48V arbeiten zusammen – und werden auch zusammen diagnostiziert.
Praxisorientierter Diagnoseansatz
Saubere Startdiagnose heißt:
- Batterie im Fehlerzustand bewerten
- Spannungen beim Start beobachten
- Energiemanagement und Anlernungen prüfen
- Ruhestrom und Abschaltverhalten prüfen
- 12V- und 48V-System gemeinsam sehen
Erst dann wird klar, warum der Tester „Batterie ok“ sagt und das Fahrzeug trotzdem nicht zuverlässig startet.
