HV-Arbeiten: Wer darf was
E-Autos stehen heute ganz normal auf der Bühne. Was viele unterschätzen: Hochvolt ist kein „Mach ich mal eben“, sondern klar geregelt. Und wer ohne passende Qualifikation am HV-System arbeitet, riskiert mehr als einen Fehler – nämlich Haftung, Versicherungsschutz und im Ernstfall Gesundheit.
Damit Schluss ist mit Halbwissen, hier die HV-Qualifizierungsstufen – kurz, klar und werkstattnah.
1S – Fachkundig unterwiesene Person
Was ist erlaubt?
Alles, was nicht direkt am aktiven Hochvolt-System passiert.
Typische Arbeiten:
- Allgemeine Arbeiten am Fahrzeug
- Servicearbeiten
- Sichtprüfungen
- Basisarbeiten im Umfeld von HV-Komponenten
Nicht erlaubt:
Arbeiten am aktiven HV-System.
Werkstattklar gesagt: 1S heißt: Ich weiß, wo die Gefahr sitzt – aber ich fasse sie nicht an.
2S – Arbeiten am HV-System (spannungsfrei)
Hier wird es für die Werkstatt richtig relevant.
Was ist erlaubt?
- HV-Fahrzeuge freischalten
- Spannungsfreiheit herstellen und prüfen
- Arbeiten am HV-System im spannungsfreien Zustand
- Reparaturen, Prüfungen, Servicearbeiten an HV-Komponenten
Voraussetzung:
Elektrotechnische Vorkenntnisse im Kfz-Bereich.
Werkstattklar gesagt: 2S ist die Schlüsselqualifikation, um E-Fahrzeuge rechtssicher warten und reparieren zu können.
3S – Arbeiten unter Spannung
Das ist die Königsklasse.
Was ist erlaubt?
- Fehlersuche an unter Spannung stehenden HV-Komponenten
- Bauteile unter Spannung tauschen
Werkstattklar gesagt: Hoher Anspruch, hohe Verantwortung – nur für echte Profis und echte Spezialfälle.
Was braucht man für 3S?
3S gibt es nicht „einfach so“. Voraussetzungen sind klar geregelt:
- Qualifikation 2S
- Mindestalter 18 Jahre
- Gültiger Erste-Hilfe-Nachweis
- Praxis im Kfz-/Elektrobereich
- Der Unternehmer entscheidet, wer fachlich und persönlich geeignet ist
Wichtig: Nicht jeder Betrieb braucht 3S – aber jeder Betrieb sollte wissen, wo die Grenze liegt.
Warum das Thema jetzt wichtig ist
Hochvolt-Systeme arbeiten heute mit bis zu 800 Volt. Ein falscher Handgriff ist kein Lapsus, sondern ein Sicherheits- und Haftungsthema.
Ohne passende Qualifikation drohen:
- Verlust des Versicherungsschutzes
- Persönliche Haftung
- Probleme bei BG-Prüfungen
- Regress im Schadensfall
Kurz gesagt: Nicht dürfen ist schlimmer als nicht können.
Fazit für die Werkstatt
- 1S: Wissen, wo’s gefährlich wird
- 2S: Arbeiten am HV-System – aber sicher und spannungsfrei
- 3S: Arbeiten unter Spannung – nur für Spezialisten
Für die meisten Werkstätten ist 2S genau die richtige Stufe, um E-Mobilität sauber, sicher und wirtschaftlich abzudecken.
